„Wie cool ist es, sichere Räume zu schaffen“

Nachricht 16. September 2026

Voneinander zu wissen hilft - Austausch der Multiplikator*innen

Austausch der Multiplikator*innen für Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt im Sprengel Osnabrück

Seit fast 3 Jahren arbeiten sie als Multiplikatorinnen und bieten Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt in den 5 Kirchenkreisen des Sprengels Osnabrück an. Sie sind Diakon*innen, arbeiten in der Kirchenkreissozial- und in der Jugendarbeit oder ehrenamtlich in der ‚Kirche mit Kindern‘ in Gemeinden. Knapp 20 Personen haben sich seit 2023 für diese wichtige Tätigkeit ausbilden lassen, auch zwei Pastor*innen sind dabei.
Grund genug für Regionalbischof Selter, alle zu einem Gedankenaustausch einzuladen: 
•    Welche Erfahrungen haben sie in ihrer Arbeit gemacht?
•    Wo gibt es Fortschritte und wo erleben sie Widerstände?
•    Wo liegen Hindernisse in der Arbeit und was muss sich verbessern, um die Motivation und das Engagement für alle aufrechtzuerhalten?

Die Erfahrungen decken sich 
Über ausgebuchte Schulungstermine und hohes Interesse im ersten Jahr und besonders in den Regionen, in denen ein Fall sexualisierter Gewalt bekannt geworden war, berichten alle Multiplikator*innen. In den Folgejahren bis heute geht die Nachfrage zurück, auch die Einsicht in die Notwendigkeit schwindet bei Gemeindegruppen, die nicht unmittelbar mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt kommen. Das Gefühl von „das betrifft uns doch nicht“ mischt sich bei den Gemeindemitgliedern und manchen Mitarbeitenden mit dem Gefühl, unter „Generalverdacht“ gestellt zu sein. 

Sensibilisierung funktioniert – trotz anfänglicher Widerstände
Interessant ist dabei, dass gemischte Schulungsgruppen mit Jugendlichen und Menschen aus anderen Gemeindekreisen besser funktionieren als homogene, geschlossene Gruppen. In der Regel war das Feedback bei anfänglicher Skepsis der Teilnehmenden am Ende der viereinhalbstündigen Fortbildung einem positiven „Aha-Effekt“ gewichen: „Wir haben Rüstzeug bekommen, wir haben gelernt, genauer hinzuschauen…“. „Geschichten zu erzählen ist total wichtig, um in die Selbstreflexion zu kommen“, bestätigt eine Multiplikatorin.

Hindernisse - Kommunikation, Zuständigkeiten und unterstützende Verwaltung/Organisation 
Bei der Kommunikation wäre ein anderes Framing hilfreich. Das Thema sei negativ behaftet, bestätigen alle. Dabei ist Kirche mit ihren verpflichtenden Schutzkonzepten und umfassenden Präventionsschulungen innerhalb der Gesellschaft gut aufgestellt und in der Regel weiter als etwa Sportvereine oder Schulen. „Und wie cool ist es, daran mitzuarbeiten, sichere Räume zu schaffen“, betont einer der Multiplikatoren. Dazu bedarf es – da sind sich alle einig – deutlich positiver Unterstützung durch die leitenden Hauptamtlichen vor Ort, von denen immer noch sehr viel in der Gemeinde abhänge. „Wir brauchen sie quasi als „Werbepartner“, die sich mitverantwortlich fühlen,“ bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Klare Zuständigkeit und Auftrag 
Der Erfolg hänge auch an klaren Aufträgen. „Ich brauche einen klaren Auftrag, den müssen alle in der Gemeinde kennen, dann kann ich ganz anderes auftreten und für die Schulungen in der Gemeinde werben,“ beschreibt ein Teilnehmer seine Erfahrung. Und schließlich: Was geschieht nach der Schulung. Wer führt Listen der „geschulten“ Mitarbeitenden und stellt damit sicher, dass wirklich alle geschult sind? Wo liegen die Zertifikate? Wenn die übergemeindliche Zusammenarbeit wachse, müsse über die geeignete Ebene auch für diese Form von Verwaltung nachgedacht werden. Nicht zuletzt wünscht man sich mehr Stunden für die Vorbereitung und Durchführung der Schulungen. Vieles hänge von der Vor-Ort-Struktur ab und könne nicht als Standard angenommen werden. 

Fachkompetenz vor Ort abrufen und einbinden 
Insgesamt gibt es nach drei Jahren Erfahrung an verschiedenen Orten im Sprengel ein starkes Plädoyer dafür, bei der Aufstellung von Interventionsplänen die Fachkompetenz vor Ort abzufragen und dabei auch externe Expert*innen einzubeziehen, statt zentrale Vorgaben durchzusetzen.  

(Text / Bild: Brigitte Neuhaus, Sprengel Osnabrück)