Ein geteiltes Gotteshaus in Wissingen - Berührt und schenkt Hoffnung

Nachricht 03. Februar 2026

"Wir ziehen zu Freunden“

In Wissingen machen sich Gemeinden auf den Weg - im Wortsinn. Nach einer letzten heiligen Messe am 31. Januar wird die katholische Gemeinde der Herz-Jesu-Kirche Wissingen in einer kleinen zu Prozession zur ev.-lutherischen Auferstehungskirche ziehen, in der sie in Zukunft ihre Gottesdienste feiert. Die 1959 erbaute Herz-Jesu-Kirche wird abgerissen, um Raum für die Erweiterung der Grundschule im Ort zu schaffen.
Für die Gemeinde markiert dieser Gottesdienst einen tief bewegenden Moment, so die katholische Kirchengemeinde. Vieles, was das Leben der Menschen geprägt habe – Taufen, Hochzeiten, Abschiede, stilles Gebet und festliche Gottesdienste – sei untrennbar mit diesem Ort verbunden, heißt es in der Mitteilung der Pfarreiengemeinschaft weiter. Der Kirchturm bleibt stehen und erinnert weiterhin sichtbar an die Geschichte der Gemeinde. 
Zur neuen gemeinsamen Heimat wird ab jetzt die Evangelische Auferstehungskirche Wissingen. Die Ökumene im Ort ist eingeübt, die Verbindungen gut, teilweise familiär durch ökumenische Paare, berichtet Pastorin Angelika Breymann. Sie ist seit 28 Jahren Gemeindepastorin und hat mit ihrem Kirchenvorstand den Prozess von Beginn an begleitet.
„Bei uns war immer die leitende Frage: Wie kriegen wir das hin. Einander zu helfen ist eine Selbstverständlichkeit und Räume noch mehr zu nutzen war immer unser Anliegen.“ So war das Gemeindehaus der Auferstehungskirche mehrfach und für viele Monate Ausweichort für die KiTa, parallel beherbergt es seit über zehn Jahren ein gut nachgefragtes Familienzentrum.

Was ändert sich im Kirchraum ? 
„Die katholische Gemeinde bringt den Kreuzweg mit, den wir baulich problemlos integrieren können, so wird die Passionsgeschichte sichtbarer auch für uns,“ erklärt Pastorin Breymann. Über alle weiteren Fragen sei man im guten Austausch. Es wird getrennte Gottesdienstzeiten geben. Bei großen Festgottesdiensten wie Ostern gibt es versetzte Zeiten und die Option, an unterschiedliche Orte zu gehen und dabei auch den Außenraum einzubeziehen. Absehbar sei schon jetzt, dass die Vielfalt der Andachts- und Gottesdienstformen wachsen werde. Die Auferstehungskirche feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum und das wird ökumenisch als Hubertusmesse am 7. November vorbereitet. 

"Das hat Vorbildcharakter" (Regionalbischof Selter)

„Dass in Wissingen die katholische Kirchengemeinde eine neue Heimat in der evangelischen Auferstehungskirche findet, hat aus meiner Sicht Vorbildcharakter. Zugleich ist es eine Frucht, gut eingeübter und gelebter Ökumene. Beiden Gemeinden gilt mein größter Respekt. Und ich wünsche ihnen Gottes Segen für alles Zusammenkommen in der Auferstehungskirche!“ Der Übergang geschehe im Zeichen der Verbundenheit und des Vertrauens und das mache Hoffnung, so Regionalbischof Friedrich Selter.  "Kirche ist mehr als ein Gebäude – sie lebt dort, wo Menschen im Glauben verbunden sind", betonen auch die leitenden Geistlichen der Pfarreiengemeinschaft. 

„Wir ziehen nicht in die Fremde, wir ziehen zu Freunden“ (Stefan Höne, Priester)

„Wir ziehen nicht in die Fremde, wir ziehen zu Freunden“, sagte Stephan Höne, moderierender Priester während der letzten Heiligen Messe am 31. Januar 2026, in der auch die Profanierung der Herz-Jesu Kirche vorgenommen wurde. 
In einer Prozession zog die Gottesdienstgemeinde im Anschluss mit Osterkerze, dem Ewigen Licht und dem Allerheiligsten der Herz-Jesu-Kirche zur evangelischen Auferstehungskirche. Mit dem Bibelwort aus Galater 3,26 „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus,“ hießen sie dort an der Kirchentür Gemeindemitglieder, Kirchenvorsteherin und Pastorin Angelika Breymann herzlich willkommen.
„Wir wollen dieses Gotteshaus in Zukunft mit euch teilen und es mit euch gemeinsam nutzen – Gott zur Ehre und zum Wohl für uns Menschen. Dieser gemeinsame Gebrauch ist neu. Das ist besonders. Es berührt unser Herz. Es schenkt auch Hoffnung. Wir erfahren uns als eine Gemeinschaft in Gott,“ sagte Pastorin Breymann. 
Der Posaunenchor Wissingen, unterstützt vom Posaunenchor Holte und anderen Bläserinnen und Bläsern der Region, begleitete den Einzug in die Auferstehungskirche mit festlicher Musik.  

(Text: Brigitte Neuhaus, Sprengel Osnabrück und Pastorin Angelika Breymann)