"Wir ziehen zu Freunden“
In Wissingen machen sich Gemeinden auf den Weg - im Wortsinn. Nach einer letzten heiligen Messe am 31. Januar wird die katholische Gemeinde der Herz-Jesu-Kirche Wissingen in einer kleinen zu Prozession zur ev.-lutherischen Auferstehungskirche ziehen, in der sie in Zukunft ihre Gottesdienste feiert. Die 1959 erbaute Herz-Jesu-Kirche wird abgerissen, um Raum für die Erweiterung der Grundschule im Ort zu schaffen.
Für die Gemeinde markiert dieser Gottesdienst einen tief bewegenden Moment, so die katholische Kirchengemeinde. Vieles, was das Leben der Menschen geprägt habe – Taufen, Hochzeiten, Abschiede, stilles Gebet und festliche Gottesdienste – sei untrennbar mit diesem Ort verbunden, heißt es in der Mitteilung der Pfarreiengemeinschaft weiter. Der Kirchturm bleibt stehen und erinnert weiterhin sichtbar an die Geschichte der Gemeinde.
Zur neuen gemeinsamen Heimat wird ab jetzt die Evangelische Auferstehungskirche Wissingen. Die Ökumene im Ort ist eingeübt, die Verbindungen gut, teilweise familiär durch ökumenische Paare, berichtet Pastorin Angelika Breymann. Sie ist seit 28 Jahren Gemeindepastorin und hat mit ihrem Kirchenvorstand den Prozess von Beginn an begleitet.
„Bei uns war immer die leitende Frage: Wie kriegen wir das hin. Einander zu helfen ist eine Selbstverständlichkeit und Räume noch mehr zu nutzen war immer unser Anliegen.“ So war das Gemeindehaus der Auferstehungskirche mehrfach und für viele Monate Ausweichort für die KiTa, parallel beherbergt es seit über zehn Jahren ein gut nachgefragtes Familienzentrum.
Was ändert sich im Kirchraum ?
„Die katholische Gemeinde bringt den Kreuzweg mit, den wir baulich problemlos integrieren können, so wird die Passionsgeschichte sichtbarer auch für uns,“ erklärt Pastorin Breymann. Über alle weiteren Fragen sei man im guten Austausch. Es wird getrennte Gottesdienstzeiten geben. Bei großen Festgottesdiensten wie Ostern gibt es versetzte Zeiten und die Option, an unterschiedliche Orte zu gehen und dabei auch den Außenraum einzubeziehen. Absehbar sei schon jetzt, dass die Vielfalt der Andachts- und Gottesdienstformen wachsen werde. Die Auferstehungskirche feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum und das wird ökumenisch als Hubertusmesse am 7. November vorbereitet.