Eine Geste schreibt Geschichte - Der "Osnabrücker Handschlag"

Nachricht 10. August 2026

"Einander die Hände reichen, ist ein Bekenntnis zum Gott des Friedens und der Liebe."

"Es ist absurd, Kriege mit Konfessions- oder Religionsunterschieden zu begründen. Wenn wir den einen Gott bekennen, der uns zur Liebe ruft, dann können wir nur das tun, was Schweden und Franzosen und Deutsche im Spätsommer und Herbst 1648 getan haben: Wir können uns nur die Hände reichen – trotz aller Unterschiede."
Der Wandelgottesdienst am 9. August von St. Marien hinüber zum Dom mit Regionalbischof Friedrich Selter, Domkapitular Thilo Wilhelm und Pastor Torsten Both zusammen mit einer großen Gemeinde, erinnerte an den "Osnabrücker Handschlag". Diese symbolische Handlung am 6. August 1648 gilt als Durchbruch des lang ersehnten "Westfälischen Friedensschlusses" nach gut 30 Jahren Krieg im Herzen Europas.

Regionalbischof Selter stellte in der Predigt in St. Marien die gemeinsame Basis der drei großen abrahamitischen Religionen heraus. Aus der Liebe zu Gott folge die Liebe zum Nächsten  "Zwar nennen wir diesen einen Gott unterschiedlich – Jahwe, Gott Vater oder Allah – und verstehen ihn in unseren Traditionen auf je eigene Weise. Doch trotz dieser Unterschiede verbindet uns die zentrale Einsicht: Dieser eine Gott fordert unsere ganze Liebe – und diese Liebe zu Gott zeigt sich unmittelbar in der Liebe zum Nächsten. Die Fürsorge für Arme, Waisen und Fremde ist kein Beiwerk, sondern Konsequenz des Glaubens.
Der Glaube an den einen Gott sollte uns verbinden, nicht trennen. Wer anderen die Hand ausschlägt und den Frieden verweigert, kann sich nicht auf den einen Gott berufen. Weder auf den der Juden, noch auf den der Christen oder der Muslime. Einander die Hände reichen, ist ein Bekenntnis zum Gott des Friedens und der Liebe. Und wer in der Liebe bleibt und den Frieden sucht, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Unterschrieben wurden die Verträge des Westfälischen Friedensschlusses  zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und dem Königreich Schweden.am 24. Oktober im Münsteraner Rathaus und am 25. Oktober 1648 feierlich von der Treppe des Osnabrücker Rathauses verkündet. Die Friedensstadt Osnabrück erinnert an diesen symbolischen Handschlag mit einem offenen, bunten Programm gemeinsam mit den Kirchen und der Universität Osnabrück.